Noch vor gut 150 Jahren wanderten Zehntausende aus wirtschaftlicher Not aus der Schweiz aus. Heute können wir auf eine aussergewöhnliche Entwicklung zurückblicken. In der Ostschweiz und auch in Degersheim war es einst vorwiegend die Stickerei, die für eine gute Wirtschaftslage sorgte. Heute sind es in Degersheim die Industrie- und Gewerbebetriebe, welche mehr als 1700 Menschen einen Arbeitsplatz bieten und dies notabene bei 4000 Einwohnern. Pioniere und Menschen mit Weitsicht, Durchhaltewillen und Geschick haben dazu beigetragen, dass dies so entstanden ist.
Doch sei mir folgende Feststellung erlaubt: Das enorm hohe Wohlstandsniveau hat über die Jahre eine gesellschaftliche Veränderung bewirkt. Es wird erwartet, dass der Staat auftretende Probleme löst - per Gesetz oder mittels staatlicher Eingriffe. Unsinnige, nicht umsetzbare gesetzliche Bestimmungen für unsere Wohlstandsprobleme werden kreiert. Auch fehlt heute vielfach das Verständnis für die Zusammenhänge zwischen Politik, Wirtschaft und Gesellschaft. Dass das eine ohne das andere nicht funktioniert, geht dabei vergessen.
Uns allen ist es vergönnt, in einer Demokratie leben zu dürfen, in der wir uns einbringen können. Nehmen wir die Chance wahr. Gehen wir mutig voran, gestalten unseren Kanton und unsere Gemeinde mit und gehen dabei vielleicht auch neue, unkonventionelle Wege. Respekt, Konsensfähigkeit und Sachlichkeit sind dabei das Mass aller Dinge.
Meine Gedanken schliesse ich mit einem Dank an Sie, liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger. Sie tragen die Entscheidungen der politischen Behörden mit und halten durch Ihren unermüdlichen Einsatz zugunsten der Allgemeinheit das soziale Gefüge in unserer Gemeinde im Gleichgewicht, getreu dem Spruch von Dom Hélder Camara
*„Der Beduine, der sich in der Wüste auskennt,
tauchte mich in tiefe Nachdenklichkeit
mit seiner geheimnisvollen Bemerkung:
Es genügt das Fehlen eines Sternes,
damit die Karawane die Richtung verliert.“*
Mit den besten Wünschen für eine besinnliche Weihnachtszeit und ein glückliches neues Jahr
Ihre Gemeindepräsidentin
Monika Scherrer


