Die Jagd wird gerne mit der Wildsaison oder dem Erlegen von Waldtieren in Verbindung gebracht. Dahinter stehen aber noch viele weitere Tätigkeiten, die von Jägerinnen und Jägern mit viel Leidenschaft und Hingabe durchgeführt werden. Die Jagdgesellschaft Degersheim trägt mit seinem Engagement seit vielen Jahren zum Naturschutz und zur erfolgreichen Tierhege und –pflege in der Region Degersheim bei.

Die Jagd ist vor allem im Herbst sichtbar. Dann treffen sich die Jägerinnen und Jäger, um gemeinsam auf die Jagd zu gehen. Und nicht zuletzt weist das herbstliche Wild-Angebot in den Restaurants darauf hin, dass Jagdzeit ist. Die Jägerinnen und Jäger sind jedoch, meist unsichtbar, bereits das ganze Jahr über für ihre Leidenschaft im Einsatz.

Verhindern von Strassenunfällen

Das «Jagdjahr» beginnt im Frühling nach der Winterruhe. Dann durchstreifen und kontrollieren die Jägerinnen und Jäger das ihnen zugewiesene Teilrevier. Dabei kontrollieren sie die Hochsitze und nehmen dabei auch Instandhaltungsarbeiten vor. Ebenfalls führen sie in dieser Zeit auch die Aufnahme der Wildbestände durch. Dies ist eine der Aufgaben, die sie im Auftrag des Kantons durchführen. Im Frühling finden sich an der Grenze zwischen Natur und Zivilisation Spuren der Jägerarbeit. So kümmert sich die Jagdgesellschaft um den Unterhalt der blauen Reflektoren in Strassennähe. Die Jägerinnen und Jäger kontrollieren, reinigen und erneuern sie. Das Blau der Reflektoren ist für Wildtiere am besten sichtbar. Seit diese Farbe zur Anwendung kommt, ist die Anzahl der Unfälle deutlich zurückgegangen.

Brut- und Setzzeit

In den Monaten April bis Juli ist sogenannte Brut- und Setzzeit. Während dieser Zeit platzieren die Rehgeissen ihre Jungen in den hochgewachsenen Wiesen. Da die Wiesen in Waldesnähe oft landwirtschaftlich genutzt und während dieser Zeit gemäht werden, trifft die Jagdgesellschaft Vorkehrungen, um das Verstecken der Rehkitze in den Wiesen während der Mähzeit zu verhindern. Eine einfache Methode zur Verhinderung von tödlichen Zwischenfällen ist das sogenannte Verblenden: Am Vorabend des Mähens hängen die Mitglieder der Jagdgesellschaft auf einer langen Stange Säcke auf. Diese Verblendungen verunsichern die Rehgeissen, weshalb diese ihre Kitze nachts aus der Wiese führen. Auch Drohnen kommen für das Vermeiden von Mähunfällen zum Einsatz und bei kurzfristigen Einsätzen laufen die Jägerinnen und Jäger auch selbst vor den Mähbalken, um versteckte Kitze noch aufzuspüren und zu schützen.

Herbstjagd zur Bestandsregulierung

Anfangs Oktober beginnt die traditionelle Herbstjagd. Mit der dabei stattfindenden Gesellschaftsjagd ist ein sehr effizientes Jagen möglich. Die Gesellschaftsjagd erfordert den Einsatz von Jagdhunden und Treibern, weshalb dies auch als «laute Jagd» bezeichnet wird. Sie ist gemäss Fredi Mittelholzer, Präsident der Jagd Degersheim, wichtig, um die vom Kanton geforderten Quoten zu erfüllen. "Der Kanton fordert in unserem Revier den Abschuss von 54 Rehen. Ohne die Gesellschaftsjagd ist uns das Erreichen dieser Quote nicht möglich." Mitte Dezember endet dann das Jagdjahr und die Winterruhe kehrt ein, bis im nächsten Frühling wieder die aktive Jagd startet.

Für den Kanton im Einsatz

Im Kanton St.Gallen ist die Jagd ein wichtiger Bestandteil des Naturschutzes und der Landschaftspflege. Sie ist als Miliz-System organisiert und vom Kanton beaufsichtigt. Die Jägerinnen und Jäger tragen durch ihre Arbeit zur Regulierung der Wildbestände bei, um ein Gleichgewicht zwischen den Interessen der Land- und Forstwirtschaft und dem Schutz der Wildtiere zu gewährleisten. Ihre Aufgaben sind vielfältig und umfassen die Überwachung und Verwaltung der Wildtierpopulationen, die Beratung bei Fragen zum Zusammenleben von Mensch und Wildtier sowie die Intervention bei Wildunfällen. Das übergeordnete Ziel ist es, ein harmonisches Zusammenleben von Mensch und Natur zu fördern und Konflikte zu minimieren.