Die Chronisten von Degersheim widmen ihre aktuelle Schaufenstergestaltung an der Hauptstrasse 73 dem 100-jährigen Jubiläum der Jakobuskirche. Die Entstehung der katholischen Kirche bietet einen spannenden Einblick in die Dorfgeschichte.

Mit dem Aufschwung der Stickerei-Industrie nach 1850 wuchs die Bevölkerung rasant. Die paritätische Kirche, die nach dem verheerenden Dorfbrand von 1818 errichtet worden war, konnte den steigenden Besucherzahlen bald nicht mehr gerecht werden. Ab den 1870er-Jahren wurde intensiv diskutiert, ob ein gemeinsamer oder getrennter Kirchenneubau die Lösung sei. Die Reformierte Kirchgemeinde entschied sich schliesslich für einen eigenen Bau: Sie überliess den Katholiken die bestehende Kirche samt Pfarrhaus und errichtete in der Steinegg die heutige reformierte Kirche, die am 1. Dezember 1907 eingeweiht wurde. Auch die katholische Gemeinde begann früh mit der Planung eines Neubaus. Bereits ab 1885 wurde ein Kirchenbaufonds eingerichtet. Zwar entstanden bis 1922 mehrere Entwürfe, doch keiner wurde umgesetzt. Erst die Pläne der reformierten (!) Degersheimer Architekten Emil Hunziker und Fritz Danzeisen führten zum Durchbruch. Trotz angesparter 200'000 Franken konnte der Bau erst realisiert werden, als zusätzliche Mittel bereitgestellt wurden – mit dem Ziel, arbeitslosen Degersheimern Beschäftigung zu bieten. Am 12. September 1925 war es schliesslich so weit: Bischof Dr. Robertus Bürkler weihte die neue katholische Pfarrkirche feierlich ein.