Die Degersheimer Sekundarschülerin Sarah Meier hat im Rahmen einer Projektarbeit einen Kurzroman über Anna Göldins Zeit in Degersheim verfasst. Das Resultat ist bemerkenswert, da es nebst der Aufarbeitung von Anna Göldins Schicksal dem Leser einen Einblick in das Dorfleben von Degersheim um 1780 erlaubt. Die junge Autorin hat es geschafft, eine spannende fiktive Geschichte in einen historischen Kontext zu integrieren und gleichzeitig dem Leser ein kurzweiliges Erlebnis zu verschaffen.

Das Schicksal Anna Göldins als einer der letzten Frauen, die in der Schweiz der Hexerei beschuldigt und hingerichtet wurde, ist im Allgemeinen bekannt. Dass Anna Göldin vor Ihrer Hinrichtung rund drei Monate unter falschem Namen in «Tegerschen» gearbeitet hat, dürfte jedoch nur Wenigen bekannt sein. Sarah Meier hat sich im Rahmen einer Projektarbeit der dritten Oberstufe diesem Thema angenommen und einen Kurzroman über Annas Zeit in Degersheim verfasst. Nicht nur die Recherchen hat sie selber betrieben, sondern bis hin zum Layout des Buchumschlages alles selber erschaffen.

Fiktion oder Realität?

Die Autorin hat im Hauptteil des Buches eine Geschichte kreiert, die nebst den historischen Fakten eine fiktive Handlung rund um den Wirtshausbetrieb beinhaltet. Auch die in der Handlung vorkommenden Personen sind teilweise fiktiv. «Dieses Vorgehen ermöglichte mir, dem Roman mehr Inhalt, Tiefe und Spannung zu verleihen», erklärt Sarah Meier. Erwähnenswert ist auch die gewählte Erzählperspektive: mehrheitlich sind es die Wahrnehmungen und Gedanken von Anna Göldin selbst, die den Leser durch die Geschichte führen. Die Autorin ermöglicht dem Leser sowohl einen tiefen Einblick in die Gefühlswelt der Protagonistin als auch eine realistische Betrachtung des damaligen Lebens in Degersheim. Die Einordnung der Geschichte in den historischen Kontext finden die Leser im Vorspann und im Nachspann weshalb für die Lektüre auch keine Vorkenntnisse notwendig sind.

Projektarbeit genutzt

Doch wie kommt eine 15-jährige Jugendliche dazu, ein 100-seitiges Buch zu schreiben? Ihr Interesse an Geschichte und Deutsch sowie die Leidenschaft für Bücher stehen am Ursprung Ihres Romans. «Schon als kleines Kind war ich fasziniert von Geschichten wie «Die kleine Hexe» von Ottfried Preussler. Ein Besuch des Anna Göldi Museums in Ennenda vor rund einem Jahr weckte in mir die Neugier und das Bedürfnis, mich vertieft mit diesem Thema auseinander zu setzen», erläutert Sarah Meier. Dazu hegte sie schon seit langer Zeit den Wunsch, selbst ein Buch zu verfassen. Die zu erstellende Abschlussarbeit der Schule war daher der geeignete Anlass, um dieses Projekt in Angriff zu nehmen.

Entstehung und Fertigstellung

Die Idee war geboren, jetzt folgte die harte Arbeit: das Studieren von Sachbüchern, Interviews mit verschiedenen Spezialisten und den Dorfchronisten, das Erschaffen von fiktiven Personen und der erfundenen Handlung und schliesslich die grosse Schreibarbeit. Spass bereitete ihr vor allem das Schreiben, das ihr meist leicht fiel. Nach der Fertigstellung ihrer Projektarbeit zieht Sarah ein durchwegs positives Fazit. Sie hofft, dass sie mit ihrem Buch etwas bewirken kann: vielleicht eine Anna-Göldin-Strasse oder ein Anna-Göldin-Platz in Degersheim?

Beachtliches Ergebnis

Das Resultat von Sarah Meiers Abschlussarbeit ist erstaunlich: Sarah hat es geschafft, eine kurzweilige und spannende Geschichte zu kreieren, die sowohl für Kenner als auch Nicht-Kenner von Anna Göldins Schicksal unterhaltsam zu lesen ist. Deswegen soll an dieser Stelle auch nicht mehr über den Inhalt des Buches verraten werden. Wer wissen will, in welchem Tegerscher Wirtshaus Anna Göldin gearbeitet hatte, wer ihre Freunde waren oder wer schliesslich für den Verrat verantwortlich war, kann das Buch ab sofort per Mail an meier.zwingli@bluewin.ch oder telefonisch unter 071 370 07 10 bestellen. Der Kaufpreis beträgt CHF 15.90 und ab Mitte Juli 2022 erfolgt die Auslieferung. Die Bibliothek Degersheim bietet das Buch nach den Sommerferien ebenfalls zur Ausleihe an.