In der allgemeinen Umfrage anlässlich der Bürgerversammlung vom 31. März 2025 wurde der Antrag gestellt, eine Fusion mit Flawil zu prüfen. In meiner Stellungnahme zu diesem Antrag habe ich aus persönlicher Überzeugung für eine Ablehnung argumentiert. Dies veranlasste die Wiler Zeitung, in ihrem Bericht über die Bürgerversammlung festzuhalten, ich sähe die Vorteile in einem Alleingang. Diese Aussage ist, bezogen auf eine Fusion, zwar nicht falsch, aber sie könnte bei einer erweiterten Betrachtung missverstanden werden.

Die Herausforderungen für die Gemeinden nehmen zu. Die gesetzlich an die Gemeinden übertragenen Aufgaben werden aufgrund der zunehmenden Reglementierung immer komplexer. Auch der Fachkräftemangel macht den Gemeindeverwaltungen zu schaffen. Vor diesem Hintergrund wäre ein absoluter Alleingang nicht zu verantworten und ist daher auch nicht in meinem Sinn. Dabei muss jedoch zwischen einer politischen Fusion und einer Verwaltungsfusion oder Verwaltungskooperation unterschieden werden.

Während ich einer politischen Fusion nach wie vor sehr kritisch gegenüber stehe und für ein Weiterkommen nicht als förderlich betrachte, sehe ich eine grosse Notwendigkeit für eine Zusammenarbeit mit anderen Gemeinden. Eine Zusammenarbeit wie wir sie heute schon in vielen Bereichen sehr erfolgreich führen. Das Flade-Blatt, in welchem Sie diese Zeilen nun lesen, wäre in einem Alleingang nicht möglich. Aber auch der Sicherheitsverbund und der Abwasserverbund sind unter anderem zwei gute Beispiele einer erfolgreichen und absolut notwendigen Zusammenarbeit mit anderen Gemeinden. Aus diesem Grund hat auch der Gemeinderat im Zusammenhang mit der Erstellung des Zielbildes die Grundhaltung definiert, dass die regionale Zusammenarbeit immer in Betracht gezogen und geprüft werden sollte.

Eine Lobeshymne auf all diese Zusammenarbeiten war jedoch nicht der Anlass für das Verfassen dieser Zeilen. Ich sehe mich als Person, die vielem sehr offen gegenübersteht, die eine grosse Stärke in der Gemeinschaft sieht und die gerne weit voraus, aber auch über die Gemeindegrenzen hinausblickt. Deshalb möchte ich nicht, dass meine Aussagen als Aufruf zu einem Alleingang ausgelegt werden. Alleingang ist Abschottung und zeugt von Verschlossenheit wie von wenig Selbstbewusstsein. Diese Eigenschaften trage ich nicht in mir und möchte diese entsprechend auch nicht ausstrahlen. Vielmehr ist es mir ein Anliegen, Offenheit und ein grosses Selbstbewusstsein zu propagieren. Wir Degersheimerinnen und Degersheimer müssen uns nicht verstecken. Wir können genauso gut zu einer regionalen Qualitätssteigerung beitragen, wie wir von einer solchen profitieren können.

Andreas Baumann, Gemeindepräsident