Die Gemeindechronisten haben das Schaufenster der Fahrschule Keller neu gestaltet. Dieses Mal zum Degersheimer Fotografen Ernst Leibacher. Anhand von Bildern, Materialen und Texten kann ein Eindruck davon gewonnen werden, wie mühselig das Fotografieren Anfang des 20. Jahrhunderts noch war.
Ernst Leibacher war zwischen 1910 und 1959 Fotograf und Ansichtskartenverleger in Degersheim. Er schuf Porträts, Ortsbilder, Architektur- und Landschaftsaufnahmen. Als Neffe Isidor Grauers und Cousin von Otto, Theodor, Paul und Anna Grauer war er zudem der Hoffotograf der Familie Grauer. Er erlebte die Blütezeit der Stickerei und hielt die Entwicklung des 1904 gegründeten Kurhauses Sennrüti fest. Für viele Prospekte lieferte er die Bilder. Das Handwerk eines Fotografen der damaligen Zeit war harte Arbeit. Leibacher stellte die Negative in seiner Dunkelkammer her, indem er Glasplatten beschichtete, sie in Kassetten legte und so vor Licht schützte. Für Landschaftsaufnahmen schleppte er Stativ, Balgkamera und Kassetten auf die umliegenden Höhen. Weniger mühsam war seine Arbeit im Atelier an der heutigen Sennrütistrasse. Nach dem Kauf einer Leica-Kleinbildkamera waren ihm Aufnahmen aus freier Hand möglich. Die Filme musste er nicht mehr selbst herstellen, aber noch immer selber entwickeln und nun statt Kontaktkopien mit Hilfe eines Vergrösserungsapparates Papierfotos herstellen.


