Unsere Schülerinnen und Schüler verlieren beim Leseverständnis an Boden. Bedauerlich aber wohl bloss eine realitätsnahe Vorbereitung auf das Erwachsenenleben.
Die F-35-Debatte zeigt: Gründliches Lesen ist keine zwingende Voraussetzung, um über Milliarden zu entscheiden. Weshalb sollten Jugendliche sich durch lange, komplizierte Texte kämpfen, wenn bei Verträgen von nationaler Tragweite offenbar ein Blick auf Zusammenfassungen genügt, bis sich herausstellt, dass entscheidende Passagen anders zu verstehen wären? Vielleicht gehören Überschriften überfliegen, auf andere vertrauen und bei unangenehmen Fragen erklären, man sei für den relevanten Abschnitt nicht zuständig gewesen, in den Lehrplan. Praxisnah wäre es allemal.
Ironie beiseite: Leseverständnis ist keine PISA-Randnotiz. Wer Verträge, Berichte oder Abstimmungsvorlagen nicht sorgfältig liest, kann nicht fundiert entscheiden. Und wer Verantwortung trägt, darf nicht darauf hoffen, dass irgendjemand den Text schon verstanden hat.
Kindern das Lesen beizubringen ist wichtig. Ihnen vorzuleben, warum man liest und für die Folgen des Gelesenen einsteht, wäre noch wichtiger.
Yves Beutler
Präsident FDP WUT


