Jeweils vor einer Bürgerversammlung bietet der Gemeinderat den Parteien und Vereinigungen in Flawil einen Austausch über das nächstjährige Budget und weiteren aktuellen Themen an. Damit sollen Fragen bereits im Vorfeld geklärt und drängende Themen eruiert werden.
Auch dieses Jahr erläuterten Adrian Bischof, Leiter Finanzen, und Gemeindepräsident Rolf Claude die Details zum Zustandekommen des nächstjährigen Budgets. Rolf Claude führte aus, dass die nun beantragte Steuerfusserhöhung die lange angekündigte und unvermeidbare Korrektur der letzten Jahre sei. Zwischen 2020 und 2022 wurde der Steuerfuss von 138 auf 127 Prozent reduziert. Dies stets mit dem Hinweis, dass dies nur über die angehäufte Ausgleichsreserve finanzierbar sei und nicht über ordentliche Einnahmen. Bereits 2022 zeigte der Finanzplan für die kommenden Jahre eine laufende und notwendige Erhöhung des Steuerfusses auf. Rolf Claude betonte, dass der Finanzplan von damals bereits für 2026 einen Steuerfuss von 133 Prozent als Notwendigkeit aufzeigte.
Wie im Budgetbericht 2025 aufgezeigt, sind zwischen 2018 und 2024 seien die Einnahmen um lediglich 11 Prozent, die Ausgaben aber um 23 Prozent gestiegen. Dadurch verdeutlichte sich das strukturelle Defizit der Gemeinde. Natürlich sei in dieser Zeit auch die Verwaltung und die Schule mit den Aufgaben und Verbindlichkeiten gewachsen, ergänzte Rolf Claude. Neue gesetzliche Aufgaben und Bedürfnisse der Gesellschaft forderten neue Funktionen und mehr Ressourcen in einigen Abteilungen. Doch auch in anderen, nicht beeinflussbaren Bereichen wie dem Transferaufwand oder der Pflegefinanzierung seien die Kosten für die Gemeinde gestiegen, weshalb die beantragte Steuerfusserhöhung notwendig sei.
Kosten optimieren mit «Fokus 2028»
Das Gemeindegespräch zeigte zudem auf, dass Fragen zum Kostenoptimierungsprogramm «Fokus 2028» bestünden. Auch hierbei konnten verschiedene Punkte verdeutlicht werden. «Fokus 2028» wurde 2025 lanciert und soll dafür sorgen, dass die Gemeinde 2028 ein ausgeglichenes Budget mit einem positiven Chashflow aufweisen kann. Daraus resultierten bereits Kostenoptimierungen in Millionenhöhe. Allerdings enthält es nicht nur Einsparungen. Es geht dabei beispielsweise auch um Verschiebungen von Investitionen, um den aktuellen "Investitionsschock" zu schmälern, oder auch um Optimierungen von Prozessen und Strukturen. Prozessoptimierungen werden derzeit in allen Abteilungen geprüft und auch stellenweise ungesetzt. Eine konkrete strukturelle Optimierung läuft derzeit bei den Sozialen Diensten und soll im kommenden Jahr bereits erste Ergebnisse zeigen. Insgesamt konnten mit dem Programm «Fokus 2028» im kommenden Budget 2027 Kosten von rund 1,3 Millionen Franken optimiert werden. Wie erwähnt, sind darunter auch Kosten, welche auf kommende Jahre verschoben und per se nicht eingespart wurden. Sie helfen aber, das aktuelle Budget zu stabilisieren, Nutzungsdauer von Geräten und Infrastruktur zu verlängern und kurzfristige Handlungsspielräume zu schaffen.
Tagesstrukturen und Bauprojekte
Nach dem Budget blieb trotz der fortgeschrittenen Stunde noch Zeit für weitere Themen wie die Tarife der Tagesstrukturen, der Richtplan oder die Bauprojekte Marktplatz und Neubau Dreifachhalle mit Musikschulzentrum. Auch hierbei stand der Gemeinderat für Fragen zur Verfügung und konnte erneut wertvolle Inputs und Stimmen aus den Parteien und Vereinigungen entgegennehmen. Über das Budget 2027 stimmen die Bürgerinnern und Bürger von Flawil am Dienstag, 24. November 2026, im Lindensaal ab.



