Der Geschäftsbericht des St.Galler Regierungsrates von 1926 bietet Einblicke in ein prägendes Jahr der Kantonsgeschichte. Zu den schmerzhaftesten Ereignissen gehörte die Ricken-Tragödie am 4. Oktober 1926, bei der neun Menschen im verrauchten Tunnel starben. Das Unglück beschleunigte die Elektrifizierung der Bahnstrecke Uznach–Wattwil, die bereits 1927 vollzogen wurde.
Parallel dazu wurde am Bodensee der Flugplatz Altenrhein als Arbeitsbeschaffungsmassnahme realisiert. Die Subventionen flossen dabei ausschliesslich in die Geländevorbereitung, nicht aber in die Werft. 100 Jahre später wird in der Region über Beiträge an die Flugsicherung debattiert. Ein historisches Hochwasser am Bodensee im Sommer 1926 steht zudem im extremen Kontrast zum Rekordtiefstand des Sees im Jahr 2026.
Auch beim Verkehr zeigten sich prägnante Unterschiede und Parallelen: Während 1926 knapp 2'000 Autos im Kanton gemeldet waren (gegenüber über 300'000 im Jahr 2025), glich die Debatte um den Bahnfahrplan der heutigen. Von 86 Eingaben forderten viele schnellere Verbindungen, was zum zeitlosen Zielkonflikt zwischen Durchfahrt und lokalem Halt führte. Schliesslich spiegeln kleine Anekdoten den Alltag wider: Ein einziger Radioapparat erfreute damals das Internat des Lehrerseminars Rorschach.
Kurzfassung
GesellschaftRetrodigital Kanton SG
Kanton St.Gallen vor 100 Jahren: Zwischen Aufbruch und Tragödie
Nur 2’000 Autos auf den St.Galler Strassen, ein einziges Radio für ein ganzes Internat und Zugfahrpläne, über die man sich genau wie heute stritt: Ein Blick in den Geschäftsbericht des St.Galler Regierungsrats über das Jahr 1926 zeigt einen Kanton im Umbruch. Die historischen Dokumente auf Retrodigital erzählen von technischen und baulichen Neuanfängen, schrecklichen Tragödien und Themen, die uns heute in neuen Kleidern erneut beschäftigen.
Original-Titelblatt des Amtsberichts von 1926 aus den Beständen des Retrodigital-Archivs des Kantons St.Gallen. (Bild: Retrodigital)
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